Preisträger 2010
Frédéric Compain
Bruno Lancesseur
Fernsehpreis
Frédéric Compain / Bruno Lancesseur
France 3 / ARTE

Den Fernsehpreis erhalten die beiden Autoren Frédéric Compain und Bruno Lancesseur für ihren Film „EADS–Airbus, eine Staatsaffäre“. Der 90minütige Dokumentarfilm wurde von ARTE in Koproduktion mit France 3 ausgestrahlt.

Der Film beleuchtet Hintergründe des jüngsten Skandals um Insiderhandel der Anteilseigner und Spitzenmanager. Die Jury würdigt die zweijährige, intensive Recherchearbeit, um diesen investigativen Beitrag über den europäischen Luftfahrtkonzern zu erstellen. Der Film überzeugt außerdem durch viele ungewöhnliche Bildideen und eine herausragende Komposition.
 

Radio France fait le mur (Foto: Christophe Abramowitz)
Hörfunkpreis
Jean-Luc Hees / Dr. Willi Steul
Radio France / Deutschlandradio

Den Hörfunkpreis erhalten Jean-Luc Hees und Dr. Willi Steul – stellvertretend für alle Beteiligten – für den Thementag „Radio France fait le mur“ in Kooperation mit Deutschlandradio.

Die Jury sieht darin einen herausragenden Beitrag zum deutsch-französischen Dialog. Die 24-stündige Livesendung aus Berlin am 9. November 2009 erinnert in vielfältiger Weise, unter anderem durch Interviews, Reportagen, Zeitzeugenberichte und eine Konzertübertragung, an ein Ereignis, das die Weltgeschichte verändert hat. Gleichzeitig schlägt sie eine Brücke zur Gegenwart. Die einzigartige Zusammenschaltung aller Programme von Radio France hat es ermöglicht, die Bedeutung dieses Jahrestages einem Millionenpublikum näher zu bringen.

Über hundert Mitarbeiter von Radio France waren aus diesem Anlass vor Ort in Berlin, wo sie von deutschen Kollegen tatkräftig unterstützt wurden. Diese Art der Kooperation entspricht in beispielhafter Weise dem Ziel des DFJP, „deutsche und französische Medienschaffende zur Zusammenarbeit anzuregen“.

Johannes Kloth
Printmedienpreis
Johannes Kloth
Saarbrücker Zeitung

In der Kategorie Printmedien geht der Preis an Johannes Kloth für seinen Artikel „Bon appétit“, erschienen in der Saarbrücker Zeitung. Der Autor schreibt über ein a priori abgegriffenes Thema, das zu den deutschen Stereotypen über den Durchschnittsfranzosen gehört – Froschschenkel.

Dabei aber, so die Jury, bedient er diese Klischees nicht, sondern liefert eine gründlich recherchierte Geschichte, in der sich sowohl wirtschaftliche als auch kulinarische und kulturelle Aspekte wieder finden. Dank seiner Interviews sowie origineller und treffender Szenen bringt er hartnäckige interkulturelle Vorurteile zu Fall.

Anne Mailliet
Brice Boussouar
Internetpreis - gestiftet vom Département de la Moselle
Anne Mailliet / Brice Boussouar
France 24

Der Internetpreis, gestiftet vom Département de la Moselle, wird verliehen an Anne Mailliet und Brice Boussouar für das Webangebot „Webdoc – La chute du mur de Berlin“ (auf den Seiten von www.france24.com, in Zusammenarbeit mit Jérôme Pidoux). Die Jury hat die multimediale Darstellung des dominierenden zeitgeschichtlichen Themas des vergangenen Jahres, dem 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls in Deutschland, beeindruckt.

Das Internetdossier bietet dank eines intelligent konzeptionierten Angebotes, das sich einfach erschließen lässt, eine zielgruppengerechte Aufbereitung, die neben unterhaltsamen Elementen das journalistisch Informative nicht zu kurz kommen lässt. Die Jury zeigt sich des Weiteren überzeugt von der professionellen Qualität der Bilder, Videos und der Auswahl der Zeitzeugen.
 

Julia Friedrichs und Eva Müller
Nachwuchspreis - gestiftet vom Deutsch-Französischen Jugendwerk
Julia Friedrichs / Eva Müller
WDR

Den Nachwuchspreis, gestiftet vom Deutsch-Französischen Jugendwerk, erhalten Julia Friedrichs und Eva Müller für ihren Fernsehbeitrag „Paris statt Hartz IV“ aus der Reihe „WDR Weltweit“. Die Autorinnen erzählen eine von Anfang bis Ende überraschende Geschichte über eine deutsche Familie, die von Hartz IV lebt, dann aber als „Gastarbeiter“ nach Frankreich auswandert

Es handelt sich um eine Langzeitbeobachtung über drei Jahre (!), bei der es in 28 Minuten vorbildlich gelingt aufzuzeigen, wie sich die Einstellung der Familie in der französischen Gesellschaft verändert, und wie die Integration nach großen anfänglichen Schwierigkeiten langsam gelingt. Der Film fasziniert, weil die Erzählhaltung den widersprüchlichen Lebensläufen der einzelnen Familienmitglieder folgt. Der Film bewegt, kommt den Protagonisten sehr nahe, ist jedoch zu keinem Zeitpunkt voyeuristisch.